«Die Pandemie hat uns angetrieben, kreativ zu werden und unser Clubleben den Umständen anzupassen.»

srijeda, 8. septembar 2021.

Yves Stuber / RCO

Seit Monaten gibt es kaum ein anderes Thema, das unser Leben mehr beherrscht als Corona. Eine fordernde Zeit, nicht nur für Erkrankte, auch für das Gesundheitspersonal, für das Gewerbe, die Kultur und für Vereine wie den Rotary Club Olten (RCO). Der scheidende Clubpräsident Ulrich Gagg im Interview.


Ulrich Gagg, mitten in der Pandemie übernahmen Sie im Sommer 2020 das Präsidentenamt des RC Olten. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Anlässlich der Amtsübernahme Ende Juni war es glücklicherweise noch möglich, sich persönlich zu begegnen. Bis Ende 2020 konnten wir unser Programm grösstenteils normal durchführen. Ab Anfang 2021 war dies nicht mehr möglich. Deshalb haben wir entschlossen, den Austausch über andere Wege zu organisieren. Unter anderem habe ich damit begonnen, wöchentlich ein Bulletin per Mail zu verschicken, in dem Neuigkeiten und Wissenswertes für unsere Mitglieder Platz fanden. Auch haben wir unsere Input-Vorträge, die wir bis anhin vor Livepublikum durchführten, als Stream ins Internet gestellt. Zu unseren Gästen in dieser Zeit zählten neben anderen Eventveranstalter Mike Zettel, Gastroexpertin und Buchautorin Isabelle Bitterli und Dressurreiterin Carla Aeberhard. In ihren Präsentationen schenkten sie uns Einblicke in ihr Tun, liessen uns an ihrer Passion teilhaben und schafften es, den zuweilen kräftezehrenden Pandemiealltag für einen Moment in den Hintergrund zu rücken.

 

Für den Rotary Club, der vom persönlichen Austausch seiner Mitglieder lebt, eine besonders harte Zeit.

Dem RCO erging es nicht anders als wohl den meisten von uns. Von einem Tag auf den anderen wurde einem vor Augen geführt, wie wichtig und wertvoll die physische Begegnung und der direkte Austausch doch sind. Fallen die sozialen Kontakte komplett weg, wird es relativ rasch einigermassen öde. Darum hoffe ich nun umso mehr, dass mein Nachfolger Ruedi Nützi in seiner Zeit als Präsident das Clubleben wieder vermehrt beim Zusammentreffen der Mitglieder in der Stadt pflegen kann. Von vielen Rotariern weiss ich, dass sie es schätzen, sich an Veranstaltungen wieder zu begegnen, wobei auch gesagt werden muss, dass bei einigen noch immer eine gewisse Zurückhaltung und Vorsicht zu spüren ist. Beide Bedürfnisse kann ich nachvollziehen und beides gilt es zu respektieren.

 

Welches war Ihr persönliches Highlight während der Zeit als RCO-Präsident?

Gemeinsam mit dem RC Olten-West und dem RC Gösgen-Niederamt haben wir in den belastenden Monaten des Shutdowns den Bewohnerinnen und Bewohnern der Altersheime in der Region eine süsse Dessertüberraschung sowie einen Weihnachtsstern vorbeigebracht. Die Idee stammte von unserem Mitglied Stefan Nünlist und stiess auf offene Ohren und Herzen bei allen Kolleginnen und Kollegen. Eine wunderbare Aktion und gleichzeitig eine ziemliche Logistikübung, die bei den Beschenkten dem Vernehmen nach ausgezeichnet angekommen ist. Ausserdem habe ich mich darüber gefreut, dass wir in den vergangenen Monaten sieben Neumitglieder in den RCO aufnehmen konnten. Darunter zwei Frauen, was unserem noch immer männerreichen Club guttut. Neben unseren lokalen Aktivitäten in der Region schätze ich besonders die internationalen Projekte der Rotary-Bewegung, die in der Öffentlichkeit oft eher unbekannt, deshalb aber nicht weniger wichtig sind.

 

Eines dieser Projekte nennt sich Mine-ex und macht sich für Minenopfer stark. Welchen weiteren internationalen Engagements widmen sich die Rotarier?

Mine-ex ist nur eine der Initiativen, die weltweit eine grosse Wirkung haben und die wir als Mitglieder der Rotary-Familie finanziell unterstützen. Weitere Projekte sind ShelterBox, die im Katastrophenfall Notunterkünfte für Betroffene bereitstellt und PolioPlus, ein humanitäres Projekt, das von Rotary ins Leben gerufen wurde, um die Menschheit von der Kinderlähmung zu befreien. Finanziellen Support erhalten wir bei letzter Initiative von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, welche für jeden Dollar von Rotary zwei weitere beisteuert. Mit dem Geld werden die dringend benötigten Impfungen finanziert, die sich die Bevölkerung ärmerer Länder nicht leisten kann. So konnte im vergangenen Jahr ein sehr erfreuliches Etappenziel erreicht werden. Alle 47 Staaten in Afrika sind seit 2020 poliofrei, wie die WHO bestätigt hat.

 

Das Distrikt-Motto 2020/21 lautet «Wir sind Rotary, leben wir es!». Was bedeutet das, und welchen persönlichen Schwerpunkt haben Sie als Präsident für den RCO gesetzt?

 Ich fand das Motto unseres Governors Francesco Beretta Piccoli sehr treffend und habe für mich und den RCO diesen Schwerpunkt in leicht erweiterter Form übernommen: «Wir sind Rotary, leben wir es in dieser speziellen Zeit!» Rotarier zu sein bedeutet im Kern, dass man ohne Eigennutzen der Gesellschaft dienlich ist. Dabei lassen wir uns auch von einem unvorhersehbaren und einschneidenden Ereignis wie einer Pandemie nicht stoppen. Eher im Gegenteil. Sie hat uns angetrieben, kreativ zu werden und unser Clubleben den Umständen anzupassen. Selbstverständlich fällt das Engagement leichter, wenn man sich nicht am Bildschirm virtuell treffen und besprechen muss, aber die Erfahrung der letzten Monate hat uns gelehrt, was unter erschwerten Bedingungen möglich ist. Das stimmt optimistisch und macht mich glücklich, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.


 


Interview von Adrian Portmann für RC Olten

Ueli Gagg vor dem "Riva" in Olten, Sommer 2021 (Bild: Yves Stuber)